Freitag, 17. November 2017

Rezension ★ Nur Noch Ein Einziges Mal - Colleen Hoover


Ausgabe: Taschenbuch
Seiten: 416
Verlag: dtv
Erscheinung: 10. November 2017
ISBN: 978-3423740302
Preis: 14.95

Gelesen im November 2017 in 3 Tagen

Als Lily Ryle kennenlernt, scheinen all ihre Träume wahr zu werden: eine neue Stadt, der erste Job und dann noch Ryle – überaus attraktiv, überaus wohlhabend und überaus erfolgreich. Vergessen scheint Lilys schwierige Kindheit. Vergessen auch Atlas, ihre erste Liebe, der gegenüber von Lily squattete – bis ihr Vater die beiden erwischte und Atlas von heute auf morgen verschwand. Und dann steht Atlas auf einmal vor ihr. Als Ryle von ihrer gemeinsamen Vorgeschichte erfährt, weckt dies seine Eifersucht …


Colleen Hoover ist meine Lieblingsautorin und das nicht ohne Grund. Jedes Mal, wenn ich ein neues Buch von ihr in der Hand halte, weiß ich schon vorher, dass ich es lieben werde. Jedes Mal schockiert sie mit schlimmen Momenten in ihren Geschichten. Jedes Mal trifft sie dich unvorbereitet und zwar mitten ins Herz. Alle ihre Bücher sind sich auf eine Weise ähnlich. Sie sind wunderschön. Man verliebt sich in alle Charaktere gleichzeitig, weil diese so toll sind. Ihr Schreibstil ist so wunderbar, dass man es am liebsten in einem durchlesen würde. Sie behandelt wichtige, aber auch schlimme Themen. Es gab Geschichten, in denen es um Tod, schwere Unfälle, Verbrennungen und Vergewaltigung ging. Diesmal war es schlimmer. Nur noch ein einziges Mal hebt sich sehr von den anderen Büchern ab. Es ist intensiver und teilweise sehr schwer. Es regt nicht nur zum Nachdenken an, es lässt dich nicht mehr los. Ich bin ihr dankbar für dieses Buch, vor allem für das Ende.

Lily habe ich vom ersten Moment an geliebt. Sie ist so unglaublich stark und bewundernswert. Ein Vorbild. Man muss Risiken eingehen, um das zu machen, was dir jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Sie hatte einen Traum und hat hart gearbeitet, um diesen zu verwirklichen. Das kann ihr niemand mehr nehmen. Doch in ihrer Vergangenheit hat sie schlimmes durchmachen müssen. Manchmal ist es schlimmer mit anzusehen, wie ein Anderer leidet und nichts tun zu können, als den Schmerz selbst zu spüren.

Die erste Begegnung zwischen ihr und Ryle war schon unglaublich intensiv. Sie waren Fremde, doch haben einander einfach mal die Wahrheit gesagt. Dinge, die sie sonst tief in sich verstecken und nicht aussprechen. Sie dachten, dass sie sich niemals wiedersehen würden. Doch, das tun sie und nicht nur einmal. Und mit jedem weiterem Aufeinandertreffen wird es für beide schwerer, die Gefühle füreinander zu unterdrücken.

Von außen sagt es sich so leicht, dass man seinen Partner sofort verlassen würde, wenn er einen schlecht behandelt. Es sagt sich so leicht, dass man jemanden unter diesen Umständen niemals weiterlieben könnte, wenn man die Liebe des anderen nicht spürt. Aber jetzt, wo ich mich selbst in genau dieser Situationwiederfinde, stelle ich fest, wie schwierig es ist, jemanden zu hassen, der einem Schlimmes angetan hat, wenn er einen ansonsten auf Händen trägt.

So was wie schlechte Menschen gibt es nicht. Wir sind alle bloß Menschen, die manchmal schlimme Dinge tun.

So ist das nun mal mit Menschen und ihren Gefühlen. Eine alte, schlecht vernarbte Wunde muss erst aufgerissen werden, damit sie richtig verheilen kann.

Ich werde so tun, als würde ich schwimmen, obwohl ich mich in Wirklichkeit nur treiben lasse und es gerade mal schaffe, den Kopf über Wasser zu halten. 

Ryle ist einfach nur wunderbar und er macht Lily so glücklich und die beiden sind so toll zusammen. Aber Ryles Vergangenheit hat ihn sehr geprägt. Sie hat einen Teil von ihm zerstört. Er ist immer der Mann, der Lily auf Händen trägt. Und dann gibt es Momente, in denen er vollständig die Kontrolle verliert. Es ist ein riesiger, scheinbar unüberwindbarer  Zwiespalt, in dem Lily steckt. Lässt sie es zu? Gibt sie ihm immer weitere Chancen? Wird sie wie ihre Mutter, obwohl sie sich geschworen hat, so etwas niemals zuzulassen? Er ist immer noch ihr Traummann und er würde jeden ihrer Wünsche erfüllen. Bis es wieder so weit ist und sie ein weiteres Mal sagt: ,,Nur noch ein einziges Mal."

Die Rückblicke in Lilys Vergangenheit, zu der Zeit, als sie in Atlas verliebt war, waren einfach nur schön. Sie hat sein Leben gerettet und er hat sie einfach nur geliebt. Diese Liebe war tragisch und wunderschön. In ihrem Tagebuch schreibt sie an Ellen Degeneres. Eine Frau, die sie bewundert, weil sie einfach nur sie selbst ist: witzig, verrückt und liebenswert. Denn irgendjemandem musste sie von Atlas erzählen. Und dann steht er nach Jahren zum ersten Mal wieder vor ihr. Sie ist glücklich mit Ryle. Aber Atlas hätte ihr niemals wehgetan, weil er in seiner Vergangenheit Ähnliches durchmachen musste. Er liebt sie immer noch, trotzdem ist er einfach nur für sie da. Und würde alles für sie tun.

Ich finde dieses Thema unglaublich schwierig. Wie komme ich von jemandem los, den ich liebe, der aber nicht gut für mich ist? Es ist niemals einfach. Aber jemand der dir wehtut kann dich nicht lieben. Wahre Liebe bedeutet eine Person vor allem zu beschützen und nicht derjenige zu sein, der ihr Schmerzen zufügt. Jemand der aggressives Verhalten zeigt, ist unberechenbar. Denn auch wenn man glaubt, dass derjenige sich geändert hat, kann man sich nie sicher sein. Ein falsches Wort und es geht wieder von vorne los. Ich musste es auch auf die harte Tour lernen, als ich 15 Jahre alt war. Aber wenn es endlich vorbei ist und man frei von demjenigen ist, dann ist man einfach nur stark. Und selbst wenn es mehr gute Momente gab, sind es die schrecklichen Momente, die bleiben. Man wird sie nie wieder los, aber man kann damit leben. Hauptsache man entscheidet sich dafür, es zu einer Erinnerung zu machen und nicht ein Leben lang zu leiden. Es ist schwer. Aber jeder kann es schaffen.


Manchmal sind diejenigen, die uns am meisten lieben auch diejenigen, die uns die schlimmsten Wunden zufügen können

5 Sterne ★★★★★  

Sonntag, 12. November 2017

Rezension ★ Was Auch Immer Geschieht - Bianca Iosivoni


Ausgabe: Taschenbuch
Seiten: 416 
Verlag: Lyx
Erscheinung: 11. November 2016
ISBN: 978-3736302877
Preis: 10.00

Gelesen im November 2017 in 10 Tagen

Sieben Jahre ist es her, seit Callie und Keith sich zuletzt gegenüberstanden. Damals, kurz nach Callies dreizehntem Geburtstag, war ihr Vater bei einem schrecklichen Autounfall ums Leben gekommen - einem Unfall, an dem Keith die Schuld trug. Callie konnte ihrem Stiefbruder nie verzeihen. Noch heute leidet sie unter den Erinnerungen an das schreckliche Ereignis. Doch als sie für den Highschoolabschluss ihrer kleinen Schwester in das Haus ihrer Stiefmutter zurückkehrt, begegnet sie Keith zum ersten Mal nach all den Jahren wieder. Sofort flammen ihre Wut und ihr Hass auf ihn auf. Aber auch die gefährlichen Gefühle, die Keith schon damals in ihr ausgelöst hat ...


Callie lebt in der Vergangenheit. Sie kann ihrem Stiefbruder nicht verzeihen. Sie lebt nur noch vor sich hin, hat ihre Träume aus dem Blick verloren. Sie verdrängt alles, was passiert ist, lässt den Schmerz und die Trauer nicht an sich heran. Bis sie nach Hause zurückkehrt. Genau wie Keith. Alles kommt wieder hoch. Sie hat Albträume. Und mit dem Hass auf Keith kommen gleichzeitig auch die Gefühle hoch, die sie schon immer für ihn hatte. Aber kann sie ihm jemals vergeben?

Um ehrlich zu sein wäre mir eine echte Schnittwunde lieber gewesen. Haut und Knochen, Muskeln und Gewebe verheilten. Sie hinterließen Narben, aber sie heilten. Für Gefühle galt das nicht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es eines Tages weniger wehtun würde als jetzt. Dass der Schmerz mir nicht die Kehle zuschnüren würde, bis ich das Gefül hatte, ersticken zu müssen.

Dieses Buch ist so emotional. Callie richtet alle Gefühle, die Trauer, die Wut und vor allem den Hass, auf Keith. Denn er saß am Steuer des Autos. Keith wird von seinen Schuldgefühlen zerrissen, aber er hat einen Weg gefunden weiterzumachen. Die Funken zwischen den beiden sind so stark und die Momente, in denen Callie schwach wird, sind voller Leidenschaft. Aber sie steckt fest. Sie hat noch nie für jemanden so empfunden, aber ständig kommen die dunklen Erinnerungen zurück. Wird sie diese je loslassen können?

Ich wehrte mich icht länger gegen den Schmerz. Wer auch immer behauptet hatte, die Zeit würde alle Wunden heilen, war ein verdammter Lügner. Manche Wunden heilten nie. Und vielleicht sollten sie das auch nicht. Vielleicht brauchten wir den Schmerz, um uns daran zu erinnern, wie wichtig uns die Menschen gewesen waren, die wir verloren hatten.

Wir werden die Vergangenheit niemals ändern können. Wir können nicht zurückspulen. Wir können niemanden zurückholen, der von uns gegangen ist. So ein schmerz ist unerträglich. Aber wenn wir ihn nicht spüren, ihn nicht an uns heranlassen, dann werden wir nicht weitermachen können. Dann sind wir zwar da, aber leben nicht wirklich. Wir können lernen damit zu leben und für die Zeit und die schönen Momente dankbar zu sein. Wir dürfen traurig sein. Aber die Traurigkeit darf nicht unser Leben bestimmen.



Wenn du lernen musst zu vergeben, um zu dir selbst zurückzufinden

4 Sterne ★★★★